Lederlexikon
Willkommen in unserem Lederlexikon: Entdecken Sie, warum hochwertiges Leder seit Jahrhunderten für Langlebigkeit, natürliche Schönheit und zeitlosen Stil steht. Hier finden Sie kompaktes Wissen zu Herkunft, Verarbeitung, Pflege und den vielfältigen Lederarten – damit Sie das passende Lieblingsstück auswählen und lange genießen können.
Grundlagen
1.1 Herkunft
Am Anfang eines jeden Lederprodukts steht ein Tier aus dessen Haut die sog. Lederhaut stammt. Hauptsächlich kommen hier gezüchtete Nutztiere zum tragen wie z.B. Rind, Schaf, Ziege, Schwein und Pferd. Es gibt jedoch auch Wildtiere wie Hirsch, Büffel, Schlange, Krokodil sowie Känguru dessen Häute zur Ledergewinnung genutzt werden. Bei den Nutztieren, bei denen es in erster Linie um deren Fleisch als Nahrung geht fällt die Lederhaut zwangsläufig als Nebenprodukt an. Somit ist eine Nachhaltigkeit gegeben, die gerade in der heutigen Zeit ihresgleichen sucht.
1.2 Nachhaltigkeit
Wie schon unter dem Punkt 1.1 Herkunft beschrieben fallen Häute als Neben- oder Abfallprodukt in der Tierhaltung an. Die Lederhaut ist somit eine nachwachsende und nachhaltige Rohware. Jährlich fallen ca. 7 Millionen Tonnen Felle und Häute an, die ohne die Lederindustrie umweltbelastend entsorgt werden müssten. Der Erneuerungszyklus (aufgrund der Viehzucht) liegt zwischen 1-5 Jahre.
1.3 Lederhaut
Ausschlaggebend für die Qualität des Leders ist wie bereits unter dem Punkt „Herkunft“ beschrieben die Haut deren Eigenschaften im Wesentlichen von den Lebensumständen der Tiere abhängt. Nahrung und Klima sind dabei die hervorstechendsten Faktoren. Gemäßigtes Klima mit ausreichend Nahrung und Wasser garantieren eine hohe Qualität. Bei Zuchttieren ist auch das Verletzungsrisiko des Tieres geringer als bei einem Wildtier, was sich in Beschädigungen der Haut bemerkbar macht. Da die Lederhaut ein Naturprodukt ist, ist jede Lederoberfläche einzigartig und individuell, was das Endprodukt auch ausmacht. Man unterscheidet zwischen Wildhäuten, also von wild lebenden Tieren und der sog. Zahmhaut von Tieren aus der Haltung.
1.4 Keratine
Ist der wichtigste Bestandteil der tierischen Haut und bildet die äußerste Schicht der Oberhaut.
1.5 Gewinnung
Nach der Schlachtung werden die Häute um sie vor Fäulnis und Zersetzung zu schützen mit Salz konserviert. Vor der eigentlichen Gerbung muss das Salz in der sog. Weiche wieder herausgewaschen werden. Anschließend erfolgt das sog. Äschern, in Gruben oder Fässern, danach ein Bad mit Schwefel- und Kalkverbindungen wodurch das Gefüge der Haut aufgeschlossen wird, damit das spätere Leder eine gewisse Weichheit erhält. Erst im nächsten Schritt erfolgt das Anschwöden. Dabei wird die Oberseite der Häute von Haaren und die Unterseite von Fleischresten befreit. Die Haut hat nun eine Materialstärke von 3-4 mm. Um es für die späteren Produkte auf eine Stärke von 1-1,8 mm zu bringen wird es gespalten. Die obere Schicht ist die Lederhaut, die die typische Struktur aufweist, die untere das sog. Spaltleder welches als Unterfutter oder für nicht direkt sichtbare Produkte verwendet wird.
1.6 Anschwöden
Bei diesem Arbeitsschritt wird die Tierhaut von der Behaarung befreit. Dabei werden die Häute in einem Brei aus Kalk und einem Anschärfungsmittel wie Schwefelnatrium eingelegt.
1.7 Blöße
Ist der Begriff für die Tierhaut nach dem Anschwöden wenn die Tierhaare auf der Oberseite und die Fleisch- und Fettanteile auf der Unterseite entfernt wurden.
1.8 Krispeln (Levantieren)
Wird auch als Levantieren bezeichnet und steht für den Arbeitsprozess, bei dem das Leder geschmeidiger gemacht und die Narbung hervorgehoben wird.
1.9 Krakelieren
Hierbei handelt es sich um eine Technik die es ermöglicht ein Netz aus feinen Rissen auf Oberflächen zu erzeugen, um somit einen antiken bzw. gealterten Look herzustellen. Dies wird meist mit Hilfe von Krackelierlack (Reißlack) realisiert.
1.10 Weiche
Mit Weichen beginnt der erste Arbeitsschritt in der Ledergewinnung. Dabei wird in einem Wasserbecken der Lederhaut der ursprüngliche Wassergehalt wieder gegeben.
1.11 Beizen
Das Beizen des Leders ist ein weiterer Produktionsschritt in der Lederherstellung der dazu dient, dass die Fasern des Gewebes aufnahmefähiger für die Gerbstoffe gemacht werden.
1.12 Gerbung
Beim Gerben wird die Lederhaut mit speziellen Stoffen (Gerbstoffe) haltbar gemacht, konserviert und in flexibles Leder verwandelt. Der Gerbprozess wirkt zudem stabilisierend für das Material und löst die fäulnisfähigen Stoffe aus den Hautfasern durch eine Anlagerung vegetabiler oder mineralischer Gerbstoffe. Man unterscheidet dabei zwischen Natur- chemische- und die neuere synthetische Gerbung. Oft werden die einzelnen Gerbverfahren im Bearbeitungsprozess kombiniert.
1.13 Vegetabile Gerbung
Wir das Leder mit pflanzlichen Mitteln gegerbt bezeichnet man es auch als vegetabiles Leder.
1.14 Babooltree Gerbung
Ist eine pflanzliche Gerbung mit Hilfe der Rinde des Babooltrees, der in Indien und Afrika wächst.
Gerbstoffe
| Natur | chemisch | synthetisch |
|---|---|---|
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1.15 Mechanische Bearbeitung (Stollen)
Das elastische Verhalten des Leders wird durch Dehnen und Strecken, das so genannte Stollen, eingestellt.
1.16 Abwelken
Beschreibt den Prozess des Vortrocknen des Leders.
1.17 Nageln
Dient der Trocknung des Leders und wird maximal zweimal im Herstellungsprozess angewendet. Ziel ist es dabei Beulen und Falten im Leder zu vermeiden.
1.18 Gravur
Embleme oder Schriftzüge werden meist mit Hilfe eines Lasers in das Material graviert. Dabei wird eine Vertiefung in das Material gebracht
1.19 Zurichten von Leder
Mit dem Zurichten des Leders werden die letzten Arbeitsschritte bei der Herstellung von Leder bezeichnet.
1.20 Zugfestigkeit von Leder
Die Zugfestigkeit von Leder ist eine Kenngröße die angibt ab wann ein Leder, bei der Beanspruchung auf Zug, reist. Je höher die Zugfestigkeit des Leders umso robuster ist das Material.
1.21 Lichtbeständigkeit (UV-Festigkeit)
Die Lichtbeständigkeit eines Leders ist von der Art der Gerbung, von den verwendeten Farbstoffen und auch vom Säuregrad des Materials abhängig.
1.22 Wasserfestigkeit
Damit ist die Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von Nässe in das Leder gemeint. Oft sind Produkte als wasserfest oder wasserresistent deklariert, was jedoch keinen vollkommenen Schutz gegen Wasseraufnahme garantiert.
1.23 Ledergeruch
Da Leder ein Naturprodukt ist wir sein Geruch oft als angenehm empfunden. Je nach Gerbart und Färbung hat das Leder einen intensiveren Geruch. Wird dieser Geruch als störend empfunden, kann man durch Lüften, Fetten oder mit Zeitungspapier Abhilfe schaffen. Beim Zeitungspapier wird das Produkt darin eingewickelt und mehrere Tage so aufbewahrt. Das Zeitungspapier nimmt dabei den Geruch des Leders auf.
1.24 Neutralisierung
Bei diesem Arbeitsschritt werden die Chromleder entsäuert.
1.25 Lederallergie
Eine direkte Allergie gegen Leder gibt es eigentlich nicht. Dennoch kann es zu Kontaktreaktionen mit der Haut kommen. Dabei reagiert eine empfindliche Haut eher auf die im Leder enthaltenen Gerb- bzw. Farbstoffe.
1.26 Lickern
Als Lickern wird das Nachfetten des Leders nach dem Färbevorgang bezeichnet. Das Fett sorgt für einen zusätzlichen Schutz der Farbschicht und bewirkt eine Erhöhung der Elastizität des Leders.
1.27 Narbenfehler
Da Leder ein Naturprodukt ist kommt es vor, dass es Fehler in der Narbenbeschaffenheit gibt, was nicht als Produktfehler zu werten ist.
1.28 Färbung
Durch die Färbung soll nicht nur erreicht werden, dass das Leder den gewünschten Farbton erhält, wichtig ist auch die Beständigkeit der Farbe. Auch bei starker der Nutzung eines Produkts soll der gewünschte Farbeindruck erhalten bleiben. Die Wahl des Färbverfahrens hängt daher von der Güte des Leders und der angestrebten Optik ab. Um eine gewisse Farbfestigkeit zu erreichen werden die Häute daher schon meist im Gerbprozess vor- bzw. durchgefärbt, wodurch später Spuren der Nutzung weniger Sichtbar sind.
1.28.1 Färbung durch die Gerbung
Pflanzlich gegerbte Leder haben eine bräunliche Farbe. Mit Chromsalzen gegerbte Leder besitzen eine bläuliche Grundfarbe.
1.28.2 Anilinfärbung
Transparente Anilinfarben (auch Teerfarben) sorgen dafür, dass die natürliche Maserung der Haut weiterhin erkennbar bleibt. Sie werden aus Steinkohleteer gewonnen und dringen aufgrund ihres Aufbaus tief in das Material ein.
1.28.3 Pigmentfärbung
Sie bestehen aus unlöslichen, feinen Pulvern (Pigmente) die mittels eines Bindemittels dispergiert sind. Hohe Lichtechtheit, Deckkraft, Wetterbeständigkeit und Farbbrillanz zeichnen diese Farbe aus. Aufgrund der Deckkraft setzten sie auch die rauhe Struktur der Lederoberfläche zu und glätten diese bzw. gleichen Unregelmäßigkeiten aus.
1.28.4 Safranfärbung
Hierbei handelt es sich um eine vegetabile Färbung wobei man den Farbstoff des Safran nutzt.
1.28.5 Gedeckt
Um Glattleder wasserabweisend und schmutzresistent zu bekommen wird eine Farb- bzw. Schutzschicht aufgebracht
2 Echtleder vs. Kunstleder
2.1 Echtleder
Echtleder ist ein robustes, langlebiges und atmungsaktives Material welches aus Tierhäuten (Lederhaut) gewonnen wird. Seine einzigartige Kombination aus Reißfestigkeit, Flexibilität und Geschmeidigkeit sind die ideale Basis für ein Produkt aus diesem Naturmaterial. Durch die Gerbung und weitere Behandlungsmethoden wird die Oberflächenbeschaffenheit verändert und es wird z.B. wasserabweisend (Glattleder) oder samtig (Rauleder).
Nicht jedes Leder darf als echtes Leder bezeichnet werden. Hier gibt es besondere Vorschriften und Ansprüche. Ein Echtleder ist ein Produkt, das aus ungespaltener oder gespaltener Lederhaut gewonnen wird. Dabei müssen die gewachsenen Fasern und das natürliche Narbenbild erhalten bleiben. Leder, die aus Materialen erstellt werden, die aufgelöst, gemahlen oder mit Bindemittel versetzt sind, dürfen nicht als echtes Leder bezeichnet werden. Beträgt die Schichtstärke auf dem Leder mehr als 0,15 mm, oder mehr als ein Drittel der Gesamtstärke, muss das Leder als beschichtetes Leder gekennzeichnet werden.
2.2 Kunstleder
Kunstleder ist eine preiswerte Alternative zu Echtleder und besteht meist aus einem textilen Trägergewebe (Polyester oder Baumwolle) das mit einer Schicht aus Kunststoff (meist Polyurethan oder Polyvinylchlorid) beschichtet ist. Zunehmend werden dafür auch biobasierte Schichten verwendet. Es ist gegenüber dem Echtleder zwar pflegeleichter aber bei weitem nicht so langlebig. Ferner besitzt es die negativen Eigenschaften (nicht atmungsaktiv, spröde) des Schichtmaterials
Aufgrund der physikalischen Unechtheit darf Kunstleder nicht als Leder deklariert, bezeichnet und verkauft werden. Es wird auch „Skai“, „Pelliccia artificiale“, „Vinyl“ oder „Piel artificial“ genannt. Aufgrund der Preise und hohen Verschnittkosten durch natürliche Materialschäden und die unregelmäßige Außenkontur, wurde schon immer versucht ein zum Echtleder vergleichbares Material mit gleicher Optik herzustellen. Heutzutage gibt es sehr gut gemachte Kunstleder, die sogar von Experten nur schwer als solche am Endprodukt erkannt werden, und in allen möglichen Bereichen, von Möbelbezügen bis hin zu Bekleidungen und Fahrzeugleder eingesetzt werden. Qualitativ reicht Kunstleder, was Atmungsaktivität und Wasserdurchlässigkeit angeht, dem echten Leder nicht das Wasser, aber es ist preislich eine Alternative.
2.3 Unterscheidungsmerkmale
Unterscheidungsmerkmale
| Echtleder | Kunstleder |
|---|---|
|
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2.4 Dichte von Leder
Ist das physikalische Qualitätsmerkmal von Leder und bezeichnet das spezifische Gewicht.
3 Lederarten
3.1 Nubuk Leder
Ist ein Leder welches entsteht, wenn die Lederhaut an der Seite der Fasern geschliffen oder gebürstet wird. Endprodukt ist ein Premiumleder, welches für seine samtige Haptik und glatte Textur bekannt ist. Die guten Eigenschaften wie Stärke und Langlebigkeit von Vollnarbleder bleiben vollumfänglich erhalten.
3.2 Nappaleder
Ist ein Premiumleder (meist aus Kalb oder Lamm) welches eine weiche und natürliche Oberfläche besitzt. Das meist mit Anilin hergestellte Finish mit seiner glatten Textur macht es zur ersten Wahl bei Produkten wie Handtaschen und Geldbörsen.
3.3 Wildleder oder Veloursleder (Suede)
Wildleder oder Veloursleder wird aus der unteren Schicht der Lederhaut, dem sog. „Split“ gewonnen. Nach der Gewinnung durchläuft es einen Schleifprozess wobei es seine samtige Textur erhält. Die Oberfläche ist warm, weich und wirkt natürlich.
3.4 Anilin Leder
Hierbei ist die Strukturkörnung vollständig freigelegt und somit sichtbar. Zum Schutz der Haut wird eine dünne transparente Anilin Schicht aufgetragen. Anilin Leder sind unter den Vollnarbledersorten die qualitativ hochwertigsten und es werden nur die besten Häute dafür verwendet.
3.5 Semi-Anilin Leder (korrigiertes Narbenleder)
Im Gegensatz zum Anilin Leder wird hierbei eine leichte Schicht aus Pigmenten auf die Haut aufgetragen. Die Oberfläche wird dadurch fester und auch gleichmäßiger, da Unebenheiten durch die Pigmente aufgefüllt werden. Durch diese gleichmäßige Oberfläche ist eine Beständigkeit gegen Flüssigkeiten, Flecken und Kratzern gegeben.
3.6 Spaltleder
Spaltleder ist die unterste Schicht der Lederhaut und wird meist für nicht im Sichtbereich liegende Produkte genutzt.
3.7 Rauleder
Ist der Oberbegriff für Leder mit einer samtartigen Oberfläche. Dabei wird die Sichtseite des Leders geschliffen bzw. angeraut. Das feine Nubukleder oder das gröbere Veloursleder sind typische Vertreter dieser Lederart.
3.8 Vollnarbiges Leder
Ist ein Glattleder aus dem Spaltleder. Dabei wird die natürliche Narbung inkl. kleiner Hautunregelmäßigkeiten erhalten. Dieses Leder darf somit nicht geschliffen, gebürstet oder geglättet werden.
3.9 Bürstenglattleder
Hierbei handelt es sich um eine Veredelung der Lederhaut durch eine Farbschicht. Das Leder wird dadurch sehr widerstandsfähig und hat eine äußerst gleichmäßige Oberfläche. Es können matte oder glänzende Oberflächen bis hin zum Lackfinish hergestellt werden. Dies ist gerade für Modeartikel wie Schuhe oder Gürtel von Interesse.
3.10 Lackleder
Durch aufbringen von mehreren Schichten Farbe und Lacken entsteht eine glänzende, spiegelnde Oberfläche. Dabei kann das Endprodukt auch eine Art „Knitteroptik“ haben.
3.11 Blankleder
Ist ein pflanzlich gegerbtes Leder welches eine braune Färbung besitz. Der Fettgehalt des fertigen Leders beträgt 4-10%.
3.12 Metallic- (laminiertes) Leder
Diese Leder werden mit Hilfe von metallischen Pigmenten oder Metallfolien zum Glänzen gebracht. Ihre Oberfläche kann entweder dezent glänzend oder bis hin zur Reflexion gebracht werden.
3.13 Eidechsengeprägtes Leder
Dabei wird eine Textur in die Lederhaut von Rind und Ziegen gedrückt oder gewalzt, so dass die Optik der von echtem Eidechsenleder entspricht. Die Haltbarkeit zu echtem Eidechsenleder ist dabei viel höher.
3.14 Geprägtes Leder
Wie schon beim eidechsengeprägtem Leder wird mit Platten oder Walzen eine Struktur in die Lederhaut gepresst. Somit können Lederoptiken von Schlange, Krokodil, Strauß etc. imitiert werden. Ferner sind auch ausgefallene Oberflächenmuster oder Embleme möglich.
3.15 Vintage-, antikes- oder gealtertes Leder
Diese Lederhäute werden absichtlich so gestaltet, dass sie ein gealtertes bzw. abgenutztes Aussehen haben. Die Eigenschaften wie Festigkeit und Haltbarkeit bleiben erhalten unabhängig von der rustikalen oder Vintage-Ästhetik.
3.16 Geöltes- und gewachstes (Pull-up) Leder
Bei diesem Veredelungsschritt wird entweder eine Wachsbeschichtung auf die Lederhaut aufgebracht oder direkt bei der Gerbung durch Zugabe von Ölen oder Fetten die Haut getränkt. Beide Verfahren haben einen ästhetischen Effekt, der die Oberfläche beim Biegen oder Ziehen aufhellt. Dieser Effekt ist bei gewachstem Leder ausgeprägter als bei geölten Lederhäuten.
3.17 Handpoliertes (handgepuffertes) Leder
Hierbei handelt es sich um ein Leder, welches händisch mit Farbstoffen (meist Anilin) nach alter Handwerkstechnik gefärbt wurde. Das Leder zeichnet sich durch eine sehr intensive Farbe bei natürlichem Aussehen aus.
3.18 Latigo Leder
Das Latigo Leder wird durch die Kombination von pflanzlicher und Chromgerbung hergestellt. Durch diese beiden Gerbverfahren werden die positiven Eigenschaften der Einzelprozesse kombiniert. Weicher als die rein pflanzliche Gerbung und steifer als die Chromgerbung. Das Endprodukt ist wasserabweisend, widerstandsfähig- und sehr haltbar.
3.19 Ziegenleder
Ziegenleder zeichnet sich durch seine Geschmeidigkeit, feine Struktur sowie Widerstandsfähigkeit aus.
3.20 Crustleder, Borke oder Borkeleder
Dabei handelt es sich um Leder, das nach dem Gerbprozess getrocknet aber noch nicht gefärbt ist.
3.21 Wet White
Ist die Bezeichnung von nassem synthetisch gegerbtem Leder, welches sich noch in der Produktion befindet.
3.22 Wet Blue
Hierbei handelt es sich um nasses chromgegerbtes Leder, welches sich noch im Herstellungsprozess befindet.
3.23 Peccary
Ist ein Schweinsleder von dem in Südamerika verbreiteten Nabelschweinen.
3.24 Marokkoleder (Saffian)
Ist ein feines, glänzendes und festes Leder.
3.25 PU-Leder
Ist ein durchgefärbtes Rinds-Spaltleder, dass eine geprägte oder gefärbte Oberfläche hat.
4 Lederpflege
4.1 Grundlagen
Wie fast bei jedem Gegenstand hängt auch bei Leder die Nutzungszeit des Produkts von der Pflege ab. Faktoren wie Qualität spielen dabei natürlich auch eine Rolle, genauso wie die Art der Pflege. Gerade für Leder gibt es auf dem Markt eine Vielzahl an Pflegemitteln. Welche man nutzen soll hängt von der Lederart, den Herstellungsmethoden und Alter, Gebrauchsintensität sowie Umwelteinflüsse ab. Von sog. Hausrezepten jeglicher Art sollte man jedoch besser Abstand halten, da sie dem Leder eher schaden als nutzen. Das liegt meist daran, dass sie für Leder aus früheren Zeiten genutzt wurden, die ganz anders verarbeitet und gebraucht wurden. Heutzutage sind die Gerbmethoden anders und das Leder ist dünner und weicher und somit auch empfindlicher. Daher benötigt heutiges Leder eine spezielle Pflege, sonst kann mehr zerstört als gepflegt werden.
4.2 Pflegemittelauswahl
Im Handel sind zahlreiche Pflegemittel in unterschiedlichen Preisklassen verfügbar. Viele scheuen sich ein falsches Pflegemittel zu nutzen und verzichten dann ganz darauf. Das ist jedoch genau die falsche Herangehensweise, denn wie bereits erwähnt benötigt Leder auf jeden Fall pflege. Wenn man nicht ganz sicher ist lohnt sich zunächst eine Probe mit einem Pflegemittel an einer nicht sichtbaren Stelle des Produkts, um es zu testen und die Verträglichkeit zu prüfen. Je hochwertiger und wertvoller das zu pflegende Lederprodukt ist, umso hochwertiger sollte auch dessen Pflegemittel sein.
4.3 Wirkung von Pflegemittel
Pflegemittel bewirken aufgrund ihrer synthetischen Zusammensetzung, dass sich kein Nährboden für Bakterien und Schimmel auf oder im Material bildet. Oft enthalten sie auch Stoffe, die die guten Eigenschaften des Leders erhalten.
4.4 Patina
Leder bzw. Produkte aus Leder durchlaufen als Naturprodukt einen natürlichen Alterungsprozess. Dabei kann es durch Umwelteinflüsse oder Nutzung zu Änderungen in der Färbung und Struktur der Oberfläche kommen. Diese Änderung wird als Patina bezeichnet, die nur auf hochwertigsten Ledern, die biologisch behandelt und gegerbt wurden, entsteht. Farben werden zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung heller, Flüssigkeiten, die mit dem Leder in Kontakt gekommen sind bewirken eine dunkle Verfärbung. Durch häufigen Gebrauch entsteht auf der Oberfläche oft ein Glanz oder eine zerkratzte Struktur. Auch Metallteile bilden eine Patina und verändern dadurch ihre Färbung. Der dabei entstehende Vintage Look ist genau das, was Leder ausmacht.
4.5 Lederpflegemilch
Dabei handelt es sich um eine dünne Emulsion aus Fetten, Ölen und Wasser, die durch einen Emulgator eine gleichmäßige Beschaffenheit aufweist. Sie hat in den meisten Fällen rückfettende Eigenschaften und erneuert die UV-Beständigkeit gegen das Ausbleichen. Aufgrund der Konsistenz dringt das Mittel gut in jede Stelle des Produkts ein.
4.6 Lederpflegecreme
Die Lederpflegecreme hat aufgrund von Stabilisatoren eine festere Konsistenz als die Pflegemilch. Sie haftet gut auf der Oberfläche, dringt jedoch nicht so tief ins Material ein als die Lederpflegemilch.
4.7 Lederfett
Dieses Pflegemittel hat eine stark rückfettende Wirkung und findet hauptsächlich im Schuhpflegebereich Anwendung. Lederfett sollte jedoch nur bei Glattledern angewendet werden, da es auf offenporigen Lederarten dauerhafte Flecken hinterlassen kann. Durch die stark rückfettende Wirkung sollten nur Leder, die im Außenbereich genutzt werden, damit gepflegt werden. Wenn das Lederfett einen geringeren Anteil an Harzen und Wachse aufweist, dann ist die Atmungsaktivität kaum eingeschränkt.
4.8 Lederöl
Ist das Leder verhärtet oder ausgetrocknet kann es mit Lederöl wieder geschmeidig gemacht werden. Offenporiges Leder darf jedoch nicht damit behandelt werden. Man muss auch gut aufpassen, damit das Öl das Leder nicht zu ölig macht. Zur Pflege reicht es oft aus, das Öl dünn aufzutragen und nicht damit zu tränken.
4.9 Lederbalsam
Will man Glattleder pflegen so ist Lederbalsam eine gute Wahl. Der Balsam hat besonders gute wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften und hat einen imprägnierenden Nebeneffekt. Aufgrund der starken Rückfettung und die im Balsam enthaltenen Harze und Wachse kann es vorkommen, dass das behandelte Leder Knarzgeräusche verursacht.
4.10 Lederversiegelung
Sie dient dem Schutz der oberen Farbschicht und minimiert Abrieb und Verfärbung. Lederversiegelungen sind meist auf Wasserbasis und die öl- und fettfreie Rezeptur ist gerade für neue Leder ohne Rückfettungsbedarf geeignet.
4.11 Lederimprägnierung
Sie dient einzig und allein zur Erhöhung der Wasserfestigkeit und ersetzt somit kein Pflegemittel.
4.12 Sattelseife
Ist eine alkalische Seife, die zur Reinigung von Leder dient. Es gibt sie sowohl in fester als auch in flüssiger Form.
4.13 Bienenwachs
Ist ein Stoff welcher von den sog. Baubienen von ihren Wachsdrüsen abgesondert wird und der sich als Naturprodukt für die Lederpflege eignet.
4.14 Lederreparatur
Im Gegensatz zu Kunstleder lässt sich Echtleder reparieren bzw. aufarbeiten. Durch entsprechende Pflegeprodukte und Reparaturen durch Fachbetriebe können so liebgewonnene Lederprodukte wieder zu neuem Leben erweckt werden.